Demenz – wir müssen bitte endlich mehr darüber reden

Geschätzte 50 Millionen Demenzerkrankungen laut WHO weltweit. Tendenz leider stark steigend. Wenn das menschliche Gehirn allmählich stirbt, ist das für Betroffene und Angehörige ein sehr leidvoller Weg.

Fangen wir mit der guten Nachricht dieser Geschichte an: Das Prinzip Hoffnung heißt Prävention. Wer ein gesundes Leben führt, verringert deutlich die Wahrscheinlichkeit, an einer Form der Demenz zu erkranken. Die Wissenschaft weiß heute schon sehr viel über Demenz, ihre Formen, den Krankheitsverlauf und die Prävention. Und gleichzeitig ist es leider doch noch viel zu wenig. Es gibt viele offene Fragen über die Ursachen der Entstehung von Demenz und über mögliche Therapieansätze.

Auch wenn wir noch kein Mittel gegen Demenz kennen, wissen wir sehr genau, dass ein gesunder Lebensstil das Risiko verringert, im Alter an Demenz zu erkranken. Das ist nicht nichts. Es kommt aber halt auch darauf an, was man daraus macht. Schließlich haben wir es ja in unserer eigenen Hand, wie wir unseren Lebensstil gestalten. Jede von uns. Jeder von uns. Sie wissen ganz besonders um die Wichtigkeit, etwas für die eigene Gesundheit zu tun, wenn Sie diese Zeilen lesen. Weil Sie dann vermutlich schon unser Gast waren und sich ganz bewusst für eine Mayr-Kur bei uns entschieden haben. Oder gerade unser Gast sind. Ich hoffe, das war und ist eine lifechanging experience für Sie. Auch wenn’s gerade am Beginn nicht einfach ist, die Weichen in Richtung eines gesünderen Lebensstils zu stellen. Da geht es den meisten von uns gleich. Aber lassen Sie sich das sagen: Es ist die allerbeste Entscheidung. Für Sie! Falls Sie also noch vor dem oder am Start sind: Einfach machen!

»Fakt ist: Mit der höheren Lebenserwartung wird es immer mehr Menschen geben, die im Alter an einer Form der Demenz erkranken. Das wird massive gesellschaftliche Auswirkungen mit sich bringen. Daher müssen wir auf Basis des derzeitigen Wissensstandes endlich viel mehr über die präventiven Ansätze bei dieser Krankheit reden«, sagt Dr. Richard Kogelnig, Arzt und stellvertretender medizinischer Leiter im Gesundheitszentrum Park Igls. Es brauche eine lautere Stimme für das Vorsorge-Bewusstsein, die Forschung sowie für Einrichtungen für Betroffene oder Unterstützung für Angehörige, so der Mediziner und Psychologe.

50 Millionen Menschen laut WHO weltweit, davon rund 2 Millionen Deutsche, 850.000 BritInnen, 130.000 ÖsterreicherInnen und etwa 145.000 SchweizerInnen sollen Schätzungen zufolge aktuell an einer Form von Demenz erkrankt sein – exklusive (vermutlich) hoher Dunkelziffern. Prognosen gehen davon aus, dass sich diese Zahlen bis spätestens 2050 verdoppelt, vielleicht verdreifacht haben werden. Alles andere als eine Kleinigkeit. »Das wirft eine Vielzahl an gesellschaftlichen Fragen auf, auf die es dringend Antworten braucht, und zwar je früher, desto besser. Die Erkenntnisse der Wissenschaft und medizinischen Forschung stimmen uns optimistisch. Es müssen nur die notwendigen Mittel bereitgestellt werden«, sagt Kogelnig.

WAS WIR TUN KÖNNEN?

»Gesund leben. Richtig ernähren. Viel bewegen. Das Hirn trainieren«, appelliert der erfahrene Mediziner. »Das klingt so simpel, ist es für viele von uns aber nicht, weil es ganz oft einer Modifikation des Lebensstils bedarf. Eine mehrwöchige Mayr-Kur kann tatsächlich einen ganz bewussten Startschuss und Impuls für ein gesünderes Leben setzen. Das erleben wir bei uns im Park Igls sehr oft.« Und: »Demenz kann uns alle treffen. Unsere Freunde. Unsere Liebsten. Was jeder von uns selbst in der Hand hat, ist: einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Vielleicht muss man sich das nur täglich in Erinnerung rufen. Die im Park Igls seit Jahrzehnten im Zentrum der Prävention stehende moderne F.-X.-Mayr-Kur ist eine bewährte Therapie zur Vermeidung von Zivilisationskrankheiten und damit auch ein sinnvoller, aktiver Schutz vor neurodegenerativen Erkrankungen. Wer sein Gehirn rechtzeitig schützen will, tut gut daran, eine Lebensstilmodifikation nach Dr. F. X. Mayr zu priorisieren!«

Bevor Sie weiterlesen, lassen wir Ihnen an dieser Stelle noch diesen Satz des Argentiniers Jorge Bucay da: »Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.«

MEHR WISSEN ÜBER DEMENZ

Demenz ist ein Oberbegriff für rund 50 verschiedene Erkrankungen des menschlichen Gehirns. Eine davon ist die Demenz vom Typ Alzheimer. Sie ist die mit Abstand häufigste Demenz, eine Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben und dadurch die geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen beeinträchtigt wird. Die Ursachen von Alzheimer sind bis heute nicht vollständig geklärt. Sicher ist aber, dass Alzheimer – ähnlich wie andere Demenzen (z. B. die Lewy-Körperchen-Demenz) – eine neurodegenerative Erkrankung ist; es kommt zum Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Bei Alzheimer sind vor allem Nervenzellen in der Hirnrinde, dem sogenannten Cortex, aber auch in tiefer liegenden Hirnbereichen betroffen.

unseres Gehirns tauschen sich unentwegt miteinander aus, sie feuern ständig elektrische Impulse zu ihren Nachbarzellen. Damit die Nachbarzelle die Information aufnehmen kann, wird der elektrische Impuls in einen chemischen Botenstoff umgewandelt. Es gibt in unseren Gehinen verschiedenste Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter. Bei Alzheimer geht es vor allem um den Botenstoff Acetylcholin. Das ist jener Stoff, der Erinnerungen, Denk- und Lernvorgänge, aber auch die Orientierung durch unser Gehirn transportiert. Bei einer Alzheimer-Erkrankung kommt es zum Absterben jener Nervenzellen, die Acetylcholin herstellen. Das ist eine Ursache für all die Störungen, die eine Alzheimer-Demenz hervorruft. Die andere Ursache ist, dass nicht nur die Nervenzellen absterben, sondern dass sich außerhalb dieser Nervenzellen noch Eiweiß ablagert, das »Amyloid« oder »Plaques« genannt wird.

bestehen aus einem Kern, dem Amyloid-Kern, krankhaft veränderten Nervenzellfortsätzen und weiteren Zellen, den Stützzellen. Vereinfacht spricht man auch von Amyloid. Bei vielen Alzheimer-Betroffenen findet sich solches Amyloid nicht nur zwischen Nervenzellen, sondern auch in kleineren Blutgefäßen des Gehirns. Deshalb leidet etwa jede und jeder fünfte Alzheimer-Betroffene nicht nur an einer Demenz vom Alzheimer-Typ, sondern zugleich auch an einer vaskulären Demenz: Die kleinen Blutgefäße im Gehirn sind bei ihnen mit Amyloid verengt oder gar verstopft, was Schlagafälle auslösen kann.

werden in der Medizin unterschieden in leicht (Anfangsstadium Alzheimer), mittelschwer (fortschreitende Alzheimer-Demenz) und schwer (fortge- schrittene Alzheimer-Demenz). Welches Stadium konkret vorliegt, ermitteln Ärzte anhand von Tests, z. B. mit dem MMST – dem Mini-Mental-Status-Test, einem Interview mit neun Aufgabenkomplexen.

65 %: Alzheimer

15 %: vaskuläre Demenz

15 %: Mischformen von Demenz

5 %: sonstige

Zunächst ist bei Alzheimer das Kurzzeitgedächtnis betroffen, erst später das Langzeitgedächtnis. Anfangs sind gerade erlebte Situationen wie ausgelöscht und manche Bezeichnungen für banalste Alltagsdinge wie Schuhe fallen einem nicht mehr ein. Im weiteren Verlauf der Erkrankung verschwinden Erinnerungen und auch die Alltagskompetenzen, wie etwa der Umgang mit Essbesteck oder Tätigkeiten zur Körperpflege.

Durchschnittlich dauert eine Alzheimer-Erkrankung etwa acht Jahre nach der Diagnose, wobei das von Patient zu Patient unterschiedlich ist und die Erkrankung oft erst spät erkannt bzw. diagnostiziert wird. So gibt es durchaus Patienten, die 20 Jahre mit ihrer Erkrankung leben. Dennoch führt Alzheimer im letzten Stadium zum Tod. Der Grund dafür ist, dass sich das Immunsystem der Betroffenen immer weiter abschwächt, sodass Infektionen häufiger werden. Die Patienten erkranken häufiger an Lungenentzündungen und anderen Infektionen. Da die Patienten im letzten Stadium zumeist schon in einem hohen Alter sind, kommen bei vielen noch andere körperliche Erkrankungen hinzu, die ebenfalls zum Tod führen können.

Auch wenn die Ursache von Alzheimer nicht wirklich geklärt ist, so gibt es durchaus einige Risikofaktoren, die den Ausbruch einer Alzheimer-Demenz begünstigen. Das sind:

  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • zu hoher Cholesterinspiegel
  • zu hohe Blutzuckerwerte
  • Bewegungsmangel
  • schlechte Ernährung
  • ebenso Alkoholmissbrauch, Diabetes mellitus Typ 2 oder dauerhafter Stress (siehe dazu auch die Empfehlungen der WHO).

erkranken statistisch gesehen häufiger an Alzheimer. Das kann daran liegen, dass Männer im Durchschnitt nicht so alt werden und allein deshalb ihr Risiko einfach kleiner ist. Fakt ist jedoch, dass die Anzahl der Neuerkrankungen bei Frauen insgesamt höher ist als bei Männern.

bezeichnet Demenzformen, die durch Störungen der Blutversorgung im Gehirn verursacht werden. Aus unterschiedlichen Gründen wie Ablagerungen, Verengungen oder Verstopfungen können die Blutgefäße ihrem Auftrag, Blut zu transportieren, nicht mehr ausreichend nachkommen. Was folgt? Nervenzellen werden beschädigt oder sterben sogar ab. Ein Bluthochdruck ist häufig die zugrunde liegende Ursache, wobei auch Übergewicht oder Rauchen eine vaskuläre Demenz begünstigen können. Vaskuläre Demenzen machen rund 15 Prozent aller Demenzerkrankungen aus und sind nach Alzheimer die häufigste Demenzform. Eine vaskuläre Demenz ist zwar nicht heilbar, jedoch gibt es gute Chancen, gegen ihre Ursache, die Durchblutungsstörungen, vorzugehen. Wichtig ist, dass die Demenz möglichst früh erkannt und behandelt wird.

MORBUS BINSWANGER

gehört zu den häufigsten Klassifizierungen vaskulärer Demenzen. Wandverdickungen in kleinen Blutgefäßen des Gehirns (Arteriosklerose) sind die Ursache. Diese subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE-Krankheit) wird nach dem deutschen Nervenarzt Otto Ludwig Binswanger »Morbus Binswanger« genannt. Manchmal werden auch die Begriffe »subkortikale Demenz« oder »subkortikale vaskuläre Demenz« verwendet. Betroffen von diesem Krankheitsbild sind sehr häufig Menschen, die schon lange Jahre an Bluthochdruck oder anderen Gefäßerkrankungen leiden.

MULTI-INFARKT-DEMENZ

ist eine Demenzform, bei der durch wiederholte Gefäß-Verschlüsse kleine Hirninfarkte auftreten. Sie zerstören in vielen kleinen Schritten langsam das Gehirn. Manchmal ist ein einzelner, schwerer Schlaganfall dafür verantwortlich, oft aber sind es mehrere sogenannte Multi-Infarkte.

können im Gegensatz zu Alzheimer ganz plötzlich auftreten – je nachdem, wo sich ein Blutgefäß im Gehirn verschlossen hat. Gerade die Multi-Infarkt-Demenz verläuft über lange Phasen nahezu unauffällig. Mal ist der Betroffene deutlich eingeschränkt, findet beispielsweise Wörter nicht oder hat Schwierigkeiten, sich zu erinnern, dann ist er wieder klar. Typische Symptome sind Gedächtnis-, Sprach-, Denk- und Bewegungsstörungen, Orientierungsschwierigkeiten oder Stimmungsauffälligkeiten.

sind

  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Diabetes mellitus
  • hohe LDL-Cholesterinwerte
  • Herzschwäche
  • Herzrhythmusstörungen

Diesen Risikofaktoren ist eines gemeinsam: Sie können zu Schädigungen der Blutgefäße, zu Ablagerungen (Arteriosklerose), zu schlechter Durchblutung und zu Schlaganfällen führen. Sollte keiner der Risikofaktoren zutreffen, so können auch familiäre Vorbelastungen eine vaskuläre Demenz begünstigen. Demnach besteht ein erhöhtes Risiko einer vaskulären Demenz, wenn Vorfahren, Eltern oder nahe Verwandte häufiger Schlaganfälle erlitten haben und wenn Familienmitglieder zu Bluthochdruck neigen.

Eine Studie, die in »Nature« 2009 publiziert wurde, zeigt eindrücklich, dass modifiziertes Fasten mit einer dreißigprozentigen Kalorien-Reduktion über einen Zeitraum von nur drei Monaten die Gedächtnisleistung in der Fasten-Gruppe signifikant verbesserte.

WEITERE INFOS ZUM THEMA

Demenzerkrankungen bedeuten sowohl für Betroffene als auch für Angehörige eine enorme Belastung. Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier:

  • Österreichische Alzheimer Gesellschaft
  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft
  • Alzheimer’s Society (UK)
Gesundheitszentrum Park Igls in Tirol

Dr. med. Mag. phil. Richard Kogelnig –

Stellvertretender medizinischer Leiter im Park Igls, Mayr-Arzt