Long Covid: Vollbremsung des Lebens

Long Covid und die Folgen „sind schwer vorstellbar, aber das ist, wie wenn du einfach den Stecker ziehst.“

Seit Covid-19 und Long Covid grassieren, ist auch Fatigue einer breiten Öffentlichkeit bekannter geworden. Was man über den Zustand extremer körperlicher, geistiger und seelischer Erschöpfung wissen sollte.

Fatigue stammt aus dem Lateinischen (fatigatio = die Ermüdung) und ist heute nicht mehr nur im englischen und französischen Sprachgebrauch sehr geläufig. Seit SARS-CoV-2, insbesondere der Erkrankung Long Covid, ist Fatigue auch in der deutschen Sprache vermehrt in Gebrauch und immer mehr Menschen ein Begriff. Die körperliche, geistige und seelische Erschöpfung ist eines von besonders häufig vorkommenden Long-Covid-Symptomen weltweit. In der Onkologie bzw. Krebstherapie kennt man Fatigue schon lange, tritt sie doch häufig bei Tumortherapien auf.

»Fatigue ist eine von zahlreichen möglichen Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung«, sagt Dr. Irene Brunhuber, Internistin und Mayr-Ärztin im Park Igls. Es fehle allerdings noch an Langzeitstudien und Forschungsergebnissen, daran werde intensiv gearbeitet, etwa am Charité-Fatigue-Zentrum in Berlin. Das verfolgt die Internistin mit großem Interesse, so wie relevante Studien und Forschungsergebnisse weltweit. »Wir wissen noch nicht genug. Positiv ist jedenfalls, dass Fatigue als Krankheit breit thematisiert wird, denn Betroffene haben – neben den Symptomen – immer noch sehr darunter zu leiden, dass das Krankheitsbild zu selten richtig diagnostiziert wird«, so Brunhuber.

Long Covid, fatigue

DIAGNOSE SCHWIERIG

Mit Beschwerden nicht ernst genommen zu werden, ist für jede Patientin, jeden Patienten immer ein Problem. Weil Long Covid völlig neu war, traf und trifft das an Fatigue leidende Menschen gerade auch bei dieser Thematik mit voller Wucht. »Da heißt oder hieß es gegenüber Betroffenen schon mal, müde und erschöpft sind wir eh ohnehin alle, das ist ja nicht so schlimm. Ich weiß auch, dass solche Patienten gerne schnell in ein psychosomatisches Eck gestellt werden. Wobei das in der Realität dann natürlich eine folgenschwere Fehldiagnose sein kann«, so Brunhuber.

Das, was die Ärztin über Menschen erzählt, bei denen nach einer Covid-19-Erkrankung Fatigue als Krankheitsbild diagnostiziert wurde, ist bedrückend. Auch eine ihrer Freundinnen habe es heftig erwischt. Selbst Ärztin, Mutter von drei Söhnen im Teenager-Alter. »Ein Typ Frau, wo du sagst: Die schaut auf ihre Gesundheit, ist im Beruf und privat sehr aktiv. Sportlich. Und wenn sie auch ihr Leben mit hohem Tempo lebt, die hat ihren Job, ihr Privatleben, ihre Aufgaben total im Griff. Meistert das souverän«, beschreibt Brunhuber die befreundete Ärztin. Heute – über ein Jahr nach der Erkrankung, nach einmonatigem Reha-Aufenthalt – ist sie zwar wieder zurück in ihrem Beruf. Fit, so wie sie es davor gewesen sei, fühle sie sich aber immer noch nicht.

Kleinste Erledigungen im Alltag sind nicht mehr zu schaffen

»Es ist schwer vorstellbar, aber das ist, wie wenn du einfach den Stecker ziehst. Fitte Menschen sind nicht mehr in der Lage, ihr gewohntes Leben zu bewältigen. Oft sagen Betroffene, es wäre für sie schon unmöglich, ein Telefongespräch zu führen. Kleinste, vermeintlich einfache und selbstverständliche Erledigungen im Alltag – nicht mehr zu schaffen«, beschreibt Irene Brunhuber die Angaben erkrankter Personen. »Mit enormen Auswirkungen aufs Berufs- und Privatleben«, fügt sie an. Das könne man sich ja leicht ausmalen. Wenn auch die Datenlage hier noch dünn ist, hat sich bisher gezeigt: Es kann Personen jeden Alters treffen, und zwar völlig unabhängig von der Schwere der initialen Covid-19-Erkrankung; Frauen sind offensichtlich häufiger betroffen als Männer.

HARTER WEG ZURÜCK

Im Rahmen der Fatigue-Symptomatik bei Long-Covid-Patienten stehen Schonung sowie gemäßigtes und langsames Wiederheranführen der Betroffenen an den Alltag im Vordergrund. Sich nicht gleich wieder zu übernehmen, stellt für viele eine oft unüberwindbare Hürde dar, die es zu nehmen gelte. »Weil es mal besser, mal schlechter geht am Weg zurück«, sagt Brunhuber. »Und« – das sehe sie auch bei ihrer Freundin, der Ärztin – »auch wenn du beruflich und privat ein hohes Tempo gewohnt bist, nach einer ungewollten Vollbremsung ist man gut beraten, das Tempo ganz langsam, und zwar Schritt für Schritt und behutsam, wieder zu erhöhen.«

„WICHTIGE LEKTION: ACHTSAMKEIT FÜR DIE EIGENE GESUNDHEIT“

Bereits seit Ende 2020 wird im Gesundheitszentrum Park Igls das Spezial-Programm »Fit nach Covid« angeboten. Dr. Irene Brunhuber hat es mit der medizinischen Leitung federführend mit entwickelt. Es hilft Menschen, die bereits eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben. Aber wie?

Dr. Irene Brunhuber: Es richtet sich in erster Linie an Menschen, die bereits eine Covid-19-Erkrankung hinter sich haben. Es beinhaltet umfassende Diagnostik und Therapie.

Dr. Brunhuber: Neben unserem medizinischen Check, der bei allen Programmen am Beginn des Aufenthalts durchgeführt wird, prüfen wir den Status der Lungenfunktion und führen eine medizinische Leistungsdiagnostik sowie eine spezielle physiotherapeutische Befunderhebung durch. Mittels eigenen Blutlabors schließen wir auch eine Herzmuskelschädigung aus, die nicht selten bei Covid-19 auftritt. Das sind zentrale Bausteine.

Dr. Brunhuber: Das hält sich in etwa die Waage. Was wir feststellen, ist, dass sich viele unserer Stammgäste für die Diagnostik dieses Programms interessieren. Das kann im Rahmen eines Aufenthalts natürlich zusätzlich abgerufen werden.

Dr. Brunhuber: Wer zu uns kommt, bekommt nichts von der Stange, sondern einen medizinischen, diagnostischen und therapeutischen Maßanzug. Also genau das, was aufgrund der Situation das Beste ist. Das ist das, was uns ausmacht, und diese Individualität ist gerade auch bei Post-Covid-19-Erkrankungen immens wichtig.

Dr. Brunhuber: Chronisch müde, antriebs- oder kraftlos? Kopfschmerzen, Schlafstörungen, hartnäckiger Reizhusten, Kurzatmigkeit oder Konzentrationsstörungen nach einer Covid-19-Erkrankung? Dann können wir in der Regel mit diesem Programm gute Erfolge erzielen für eine effektive Regeneration.

Dr. Brunhuber: Genau, das ist ganz wesentlich im Rahmen der Mayr-Prevent-Medizin. Aber: Wir stärken ja nicht nur das Immunsystem. Bei einer Kur oder einem Spezial-Programm bei uns geht es ja um viel, viel mehr. Eine der wichtigsten Lektionen ist die Achtsamkeit – für die eigene körperliche und mentale Gesundheit. Das verändert Leben nachhaltig. Das ist nicht nur großartig zu sehen – das ist mit ein Grund, warum ich hier so gerne Ärztin bin.

EIN TIPP ZUM ABSCHLUSS

Jeder Mensch kennt Stress im privaten und beruflichen Alltag. Geeignete Stressbewältigungsstrategien kennen aber die wenigsten Menschen. Genau hier setzen unsere Behandlungsmethoden an. Als aktive Therapie bewirkt die Moderne Mayr-Medizin auch in diesem Bereich Großes. Mit unserem Mayr-De-Stress-Therapiemodul kombinieren wir modernste schulmedizinische Methoden mit Therapien und Behandlungstechniken der Komplementärmedizin wie der Cranio-Sacral-Therapie und erzielen damit nachhaltige Behandlungserfolge bei stressgeplagten Menschen.

Gesundheitszentrum Park Igls in Tirol

Dr. med. Irene Brunhuber –

Fachärztin für Innere Medizin, Mayr-Ärztin mit Zusatzdiplom in Orthomolekularer Medizin